Mit den Tagen 8 bis 10 geht es auf die Zielgerade. Ich will nicht länger auf die Folter spannen. Die Tagesbeschreibungen fallen kürzer aus, um Platz für die Bilanz des veganen Experiments zu lassen. Allerdings auch, weil wenig Neues zu erwähnen wäre.(Artikel enthält Produktwerbung)

Tag 8 – Neue Woche

Für einen guten Start in den Tag und in die Woche gibt es heute wieder Wasser mit Salz und Limette. Doch ich fürchte, das bekommt mir einfach nicht. Mein Körper ist an das morgendliche Wasser gewöhnt, aber anscheinend nicht an den zusätzlichen Mineralgehalt und die Säure. Ich habe erneut mit Verdauungsproblemen zu kämpfen.

Die Nudeln mit veganer Linsenbolognaise in der Kantine machen es nicht besser. Krampfartige Bauchschmerzen am Nachmittag. Entsprechend klein fällt das Abendessen aus: Brot, veganer Aufstrich, etwas Salat, Apfel.

Die letzten Tage

Heute ist alles wieder gut. Es geht mir prima. Eine Brezel bringt mich durch den Vormittag und das Kantinenessen gibt mit allerlei Beilagen (Brokkoli, Kichererbsen) einiges her. Ich bin rundum satt und zufrieden. Beim Abendessen wird gut gemischt, es ist wieder etwas Brot dabei, Avocado, Salat. Ich mag am Abend nicht gern kochen – das schränkt ein.

Der letzte Tag ist ebensowenig spektakulär. Noch einmal Haferflocken und Obst zum Frühstück. In der Kantine wieder mehr Salat, da heute kein veganes Hauptgericht verfügbar ist. Ich fühle mich erstaunlich fit. Der Tag geht ruckzuck rum; kaum Hunger.

Nach Tag 10

Und doch bin irgendwie froh, dass die 10 Tage vorbei sind. Nicht, weil ich riesige Lust auf Fleisch verspüren würde. Sondern wegen eines ganztägigen Workshops, der nicht viel Optionen für vegane Mahlzeiten erwarten ließ. Interessanterweise ist dann aber der Donnerstag ebenfalls überwiegend frei von tierischen Lebensmitteln. Er hätte es komplett sein können, wenn ich das Mittagessen nicht so mitgenommen hätte, wie es präsentiert wurde: Linseneintopf (vegan zubereitet) mit einem Würstchen.

Selbst wenn nur andere Speisen im Angebot gewesen wären, könnte man argumentieren, dass vorbereitete und mitgebrachte Lebensmittel etwaige Verpflegungsprobleme lösen würden. Aber genau das ist der erste Punkt, der mir in den zehn Tagen aufgefallen ist. Vegane Ernährung erfordert mehr Planung, mehr Überlegung und einiges an Umstellung beim Kochen. Nicht, dass es schlecht wäre, sich mit seiner Ernährung auseinanderzusetzen. Ganz im Gegenteil: mehr Bewusstheit täte uns allen gut. Aber ich wiederhole es an dieser Stelle noch einmal. Ich möchte mich nicht ernähren, sondern ich möchte essen. Und das schließt neben dem Aspekt der Gesundheit, ausreichender Energieversorgung, einer adäquaten Mischung der Makro- und Mikronährstoffe eben auch Sinnlichkeit, Lust, Wohlgefühl ein.

Zwei dieser drei Dinge – das ist ein sehr persönliches Empfinden – kamen in den letzten Tagen viel zu kurz. Das Wohlgefühl blieb hin und wieder aus und Lust auf bestimmte Lebensmittel wurde durch die selbst auferlegten Regeln unterdrückt. Einzig die Sinnlichkeit habe ich mir nicht nehmen lassen.

Was bleibt? Was nicht?

Diese hat mir während der zehn Tage dann wiederum eine Lustgewinn beschert. Die Einschränkung der Lebensmittelauswahl erzeugte eine gewisse Kreativität. Man entdeckt neue Lebensmittel und Lebensmittel neu. Spannende Kombinationen entstehen, aufregendes Geschmackserleben. So kommt es, dass – so merkwürdig es klingen mag – der Verzicht meinen Speiseplan bereichert hat.

Mandelmus, vegane Aufstriche, Erdnussbutter, Mandelmilch, Salatvarianten, variantenreicheres Gemüse: all dass wird sicher erhalten bleiben und tolle vegane Rezeptideen nehme ich garantiert auf.

Limetten-Salz-Wasser und Cashewcreme aus angekeimten Kernen können mir gestohlen bleiben. Ersteres tut mir in keinster Weise gut und letztere schmeckt mir einfach überhaupt nicht. Das ist der zweite wichtige Aspekt. Man muss nicht alles machen, was andere anpreisen oder toll finden, selbst wenn es nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand wundersame Vorteile verspricht. Was einem nicht schmeckt, gehört nicht auf den Teller. Was einem nicht gut tut, sollte man lassen.

Bilanz des veganen Experiments

Dieser Ansatz brachte dann aber einige Schwierigkeiten mit sich. Mir ist es während des Experiments nicht gelungen, mit Dingen, die ich mag, eine ausreichende kalorische Versorgung sicherzustellen und eine annehmbare Eiweißversorgung zu erreichen. Da gilt es, bei der Lebensmittelauswahl nachzulegen.

Ich habe nur an einem einzigen Tag meinen Tagesbedarf an Kalorien decken können. Und dass, obwohl ich nie großen Hunger verspürt habe. Es lässt sich leicht erraten, in welche Richtung die Waage am Ende tendiert hat. Mit einem Körpergewicht von 70,6 kg (Durchschnitt über drei Tage nach dem Experiment) verschwanden 1,5 kg von mir.

An keinem Tag lag die Eiweißaufnahme über 1 g pro kg Körpergewicht. Die Nahrungsaufnahme war trotz Zuckerverzicht (dazu ein anderes Mal mehr) kohlenhydrat- und fettreich. Mehr Hülsenfrüchte? Darüber kann man sich trefflich streiten, wie die unterschiedlichen Auffassungen in den Beiträgen von Tobias und von Wolfgang zeigen. Bei Gelegenheit werde ich Lupine probieren. Tofu? Den mute ich meinem Verdauungstrakt definitiv nicht zu. Oder ich muss doch mit Reis-, Erbsen-, Hanfprotein o.ä. supplementieren. Löst das Begeisterung aus? Ich sage nur: Essen!

Kurzum: ich werde weiter mein Frühstücks-Ei essen, Quark auf mein Brötchen schmieren, Kuhmilch für Pudding verwenden, Butter an den Rosenkohl geben, Fisch auf’s Brot packen und hier und da ein Steak genießen. Und trotzdem habe ich mit den Erfahrungen der letzten Tage Optionen gewonnen, den Verzehr von tierischen Lebensmitteln weiter zu reduzieren.

Es war ein Experiment. Ein gelungenes. Ein Experiment mit Wiederholungsgarantie.