Vegane Lebensweise oder vegane Ernährung sind ein nicht unumstrittenes Thema. Befürworter betonen ethische, ökologische und gesundheitliche Vorteile. Gegner hinterfragen besonders letzteres, deuten auf Evolution und kritisieren den Verzicht.

Da ich mir vor Meinungsäußerungen gern selbst ein Bild mache, habe ich ein kleines Experiment gestartet. Es passt in die vorösterliche Fastenzeit: Zehn Tage vegan. Genauer: vegane Ernährung. Man mag einwenden, zehn Tage seien zu kurz, um sich wirklich ein Urteil zu erlauben und Veränderungen ausmachen zu können.

Aber man sollte sich realistische und erreichbare Ziele setzen. Und zehn Tage vegan erscheinen mir persönlich für einen ersten Versuch ausreichend. Damit es nicht ganz so einfach wird, möchte ich zusätzlich auf raffinierten Zucker und übermäßig verarbeitete Lebensmittel verzichten. Und selbstverständlich gibt es keinen Alkohol.

In den letzten vier Tagen war täglich Training angesagt und mein Körpergewicht beträgt aktuell 72,1 kg (Mittel über drei Tage). Ich fühle mich gesund und habe heute auf einer Geburtstagsfeier durchaus ein paar Happen zu viel verdrückt. Der Kühlschrank ist mit Obst, Gemüse und einigen veganen Produkten gefüllt, auf die ich später noch zu sprechen komme. (Artikel enthält Produktwerbung)

Tag 1 – Montag

Erdnussbutter
Erdnussbutter

Mein Frühstück gibt es gewöhnlich in der Firma. Ich habe für heute noch nichts vorbereitet und esse zu meinem morgendlichen Kaffee eine Laugenbrezel. Nachforschungen hatten ergeben, dass diese mit Pflanzenfett zubereitet wird. Sicher nicht aus der Kategorie ‚clean eating‘, aber ohne tierische Anteile.

Mittags macht es mir die Kantine sehr einfach. Und in dieser Hinsicht muss man ihr ein großes Lob aussprechen. Denn eine solche Möglichkeit ist sicher nicht in jedem Unternehmen verfügbar. Es gibt ein veganes Spitzkohl-Linsen-Curry mit Vollkornreis. Dazu nehme ich mir einen extra großen Salat mit Raps- und Olivenöl.

Die ca. 550 kcal reichen allerdings nicht sehr weit. Ein Nachmittagsloch meldet sich, welches mit Banane und Grüntee überbrückt wird.

Abends Bio-Dinkelbrot mit Karotte und Walnuss – Hummus als Aufstrich. Dazu Oliven, Karotten, Sauerkraut vom Wochenende. Ein Weizenbrötchen mit Erdnussbutter rettet mich auf ca. 80% meines theoretischen kalorischen Tagesbedarfs.

Ich liebe Erdnussbutter. Sie hat heute auch zumindest etwas Eiweiß geliefert. Mit rund 39g liege ich für den heutigen Tag aber weit unter 0,8g pro kg Körpergewicht.

Tag 2 – Dienstag

Ich wiege eigenartigerweise 73 kg, habe Verdauungsprobleme und fühle mich gar nicht gut. Vielleicht das Sauerkraut? Das Frühstück war nämlich sehr lecker – meine geliebten Haferflocken mit Chia-Samen, Banane, Zimt, Sonnenblumenkernen. Allerdings natürlich nicht mit Kuhmilch, sondern mit Mandelmilch zubereitet.

Wegen elend langer Schlangen in der Kantine und unter Rücksicht auf den rumpelnden Bauch fällt das Mittagessen aus. Es gibt trockenes Roggenbrot.

Am Nachmittag hat sich die Lage beruhigt. Sport läuft gut. Und abends ist Zeit für schnelle Küche: in Olivenöl angedünsteter Lauch mit Kidneybohnen. Hört sich komisch an, schmeckt aber. Dazu ein verbliebenes Weizenbrötchen und als Nachtisch Apfel und Birne. Obst am Abend ist eher nicht so meins, aber heute musste es sein. Leider kamen wieder nur ca. 80% des theoretischen Tagesbedarfs zusammen.

Tag 3 – Mittwoch

Damit ich die Kalorienzufuhr ein wenig in die Höhe treibe, nehme ich heute zwei Brezeln zum Frühstück. Die Kantine hat mittags freundlicherweise Nudeln mit Tomatensoße zu bieten. Dazu plündere ich die Beilagenecke: Kichererbsen, Brokkoli und ein gemischter Salat.

Den ganzen Vormittag schon fühle ich Wärme in mir. Mein Stoffwechsel läuft irgendwie auf Hochtouren. Ob es an dem leicht gesalzenen Wasser mit Limettensaft liegt, welches schon zum zweiten Mal den Start in den Tag markiert? Mein Glas Wasser trinke ich morgens schon immer, aber über die kleine Ergänzung habe ich neulich gelesen und baue sie gleich in den Test ein. Etwas zu viele Variablen für eine Studie. Aber darum geht es auch nicht.

Abends Roggenbrot mit Avocado. Total einfach, aber eine meiner Lieblingskombos. Noch ein paar Walnüsse und Banane hinterher.

Ich muss betonen, dass ich keinen Hunger verspüre. Es ist nicht so, dass ich mich durch den Tag quälen müsste. Aber ich bin auch am dritten Tag wieder nur bei 80% des kalorischen Tagesbedarfs angelangt. Und das macht sich in der Lust auf Sport bemerkbar. Ich tue mich heute wirklich schwer und die Resultate sind wenig befriedigend.

Jetzt kamen in diesem kleine Tagebuch schon mehrere interessante Lebensmittel vor. Ehe es also mit Tag 4 bis 7 weitergeht, folgt zunächst eine kleine Warenkunde.